Baselworld 2022 findet nicht statt

Was in der Branche schon befürchtet wurde, ist nun bittere Tatsache. Die Leitung der MCH Group teilt heute mit, dass sie für den Neustart der Baselworld mehr Zeit brauchen und daher die Messe auch 2022 nicht stattfinden wird.

Die aktuelle unsichere Wirtschaftslage, die Ängste und Bedürfnisse der Hersteller müssen neu analysiert werden. Der Firmenchef der MCH Group, Beat Zwahlen, mein dass es derzeit schwierig sei, ein Konzept für ein neues Zielsegment zu lancieren. Die erneute Verschärfung der Corona-Situation und der Verunsicherung der Kunden verunmögliche eine seriöse Planung für die potenziellen Teilnehmer, deren Kunden aber auch für die Veranstaltungsbranche im Allgemeinen.

Uhrenexperte Patrik-Philipp Huber

Sehr schade, aber sicher ein weiser Entscheid.
Auch bei meinen Gesprächen in der Uhrenbranche habe ich festgestellt, dass das Interesse an einer Uhrenmesse wie der Baselworld grundsätzlich vorhanden ist, doch ist die aktuelle Situation so unsicher, dass es dafür wahrscheinlich einfach mehr Zeit braucht…


Loris-Melikoff

Da die Baselworld 2022 abgesagt wird, verlässt der Managing Director Michel Loris-Melikoff das Unternehmen.
telebasel.ch

Basler Zeit – Basel tickte anders

Zeitmessung aus dem Mittelalter der Legenden

Die Zeitmessung begleitet die Menschheit seit dem Altertum. Was mit einfachen Sonnenuhren begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu komplexen technischen Meisterwerken der Präzision. Die Schweiz ist als Land der Uhren bekannt; viele der angesehensten und edelsten Zeitmessgeräte stammen von hier. In der ganzen Welt schätzt man die schweizerische Uhrmacherkunst als eine landestypische Spezialität. Aber hätten Sie gewusst, dass die Stadt Basel jahrhundertelang eine andere Zeitmessung für die Zählung der Stunden des Tages besass?

Basel gab die angebrochene Stunde an

Die Basler Zeit heisst auch Basler Uhr und bestimmte mehr als 400 Jahre lang das Zeitgefühl der Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt. Wollte man die Uhrzeit angeben, nannte man nicht die abgelaufene Stunde, wie heute üblich, sondern die erst angebrochene, aktuell laufende Stunde. Wenn es nach heutigem Verständnis 2:15 Uhr in der Nacht war, sprachen die Baslerinnen und Basler von 3:15 Uhr. Diese Art der Zeitangabe entwickelt sich aus den mittelalterlichen Horen, also den Stundengebeten. Diese wurden mit Ziffern angegeben, die jeweils die laufende bzw. beginnende Stunde betrafen. Den Anfang setzte hierbei das Basler Münster, das heute noch von den Besucherinnen und Besuchern der Stadt bestaunt wird. Die Autoritäten der Kirche massen den Stundengebeten eine so hohe Bedeutung bei, dass sie ihre Zeitmessung davon abhängig machten. Die übrigen Uhren der Stadt folgten dieser Entscheidung. Die Menschen in Basel lebten also seit dem Frühmittelalter in einer eigenen Zeitzone!

Die Basler Zeit wurde zum Streitfall

Der Oktober 1774 läutete das allmähliche Ende der Basler Uhr ein. Im Grossen Rat wurde ein Anzug eingereicht, der die Frage stellte, ob man die Basler Uhren nicht an die benachbarten Uhren anpassen könne. Die Folge war eine rege und hitzige Diskussion. Schon damals rief man im Streitfall Spezialisten herbei. Der Physiker Daniel Bernoulli sollte feststellen, was es denn mit der Basler Uhr auf sich habe. Er kam zu dem Schluss, dass die Zeiger der Basler Uhr falsch angebracht worden seien. Dies löste wiederum Unverständnis der Basler aus…

Zeit sollte nichts als ein Irrtum sein?
Manche von Bernoullis Zeitgenossen versuchten, diese Behauptung zu widerlegen, so auch der Mathematikprofessor Daniel Huber. Andere wiederum warfen den Verfechtern der Basler Zeit Eigensinn oder Schmeichelei der Bürger vor.

Das Jahr 1779 brachte den nächsten Versuch, die Basler Zeit zu beenden. Ein entsprechender Erlass des Stadtrates wurde von den Bürgerinnen und Bürgern brüsk zurückgewiesen. In Basel gingen die Uhren nun einmal anders. Der Erlass wurde aufgegeben.

Baslerzeit Rathaus Basel

Napoleon vereinheitlichte die Zeitmessung der Helvetischen Republik

Als das Jahr 1798 kam, bestimmte Napoleon die Geschicke der Stadt. Er hielt nichts von besonderen Zeitzonen. Im Zuge der Gründung der Helvetischen Republik passte er die zeitlichen Besonderheiten an einen allgemeinen Standard an.

Nach über 400 Jahren beschloss der Stadtrat, die Uhren der restlichen Schweiz anzupassen. Im Januar 1798 liess er einen sanften Übergang durchführen: Über mehrere Tage stellte man die Uhren für jeweils 10 Minuten zurück. Das Basler Münster allerdings gibt sich traditionsbewusst und zeigt bis heute beide Zeitzonen an. Während die mechanische Uhr der aktuellen Zeitform entspricht, lässt sich auf der Sonnenuhr die Basler Zeit ablesen.

Um die Entstehung der Basler Zeit ranken sich zwei Legenden

Die Basler Hobbyhistorikerinnen und -historiker berichten von zwei Legenden, die erklären sollen, wie die Basler Zeit entstanden ist.

Die erste Überlieferung stammt aus einer Zeit, in der Basel von Feinden umzingelt und belagert wurde. Es gab in der Stadt unzufriedene Bürger, die zu Kollaborateuren wurden. In der Nacht sollte die Stadt überrumpelt werden, wenn die Uhr Mitternacht schlug. Der Turmwärter erfuhr davon erst kurz vorher. Es blieb ihm keine Zeit, die Wachen in Kenntnis zu setzen. Also stellte er die Uhr um eine Stunde vor – Mitternacht fiel aus. Daher gab es kein Zeichen für den Angriff. Die Belagerer und ihre Bundesgenossen dachten, sie hätten Mitternacht verpasst. Mittlerweile gelang es dem Turmwärter, dem Stadtkommandanten eine Warnung zukommen zu lassen. Verstärkung kam herbei. Die Verräter gingen geschlagen in ihre Häuser zurück und die Belagerer gaben ihren Plan auf.

Alternativ dazu kursiert eine weitere Legende. Sie kreist um die Ära des Konzils von Basel, das von 1431 bis 1449 stattfand. Die Teilnehmer des Konzils sollen ihre Uhren um eine Stunde vorgestellt haben, damit die Sitzungen nicht so lange dauerten und sie schneller zum Mittagessen gehen konnten. Schon damals war ein leerer Magen für jede und jeden ein guter Grund, sich aus der Zeit zu stehlen!

Siehe auch ⬈ Wikipedia


Fedor Singer

Beitrag vom Uhren Blogger Fedor

Gübelin verabschiedet sich von Basel

Basel verliert ein top Juwelier

In den Medien war unter anderem zu lesen, dass Corona oder die Bauarbeiten an der Freien Strasse der Grund für die Schliessung der Basler Filiale von Gübelin waren. Wir wollten vom Firmensprecher Patrick Pfannkuche genau wissen, weshalb das Luzerner Familienunternehmen, den Mietvertrag Ende 2021 nicht verlängern wollte und zitieren:

„Als Familienunternehmen richten wir unsere Strategie und unsere Standorte langfristig, nachhaltig und zukunftsorientiert aus. Unabhängig von der Corona-Pandemie beobachten wir schon länger die Entwicklung des Standorts Freie Strasse in Basel. Die Retaillandschaft der Basler Innenstadt hat sich in den letzten Jahren stark verändert und ist von verschiedenen Wechseln und Umbrüchen geprägt. Auch wenn Anwohner und Geschäfte von der Umgestaltung der Freien Strasse später profitieren mögen, sind doch die baulichen Massnahmen zum Teil recht enorm, sodass Geschäfte mitunter von Bauzäunen verdeckt werden und praktisch von der Bildfläche verschwinden. Historische Funde können die umfangreichen Bauarbeiten auf unbestimmte Zeit hinauszögern. Nicht zuletzt beeinflusst auch die Veränderung der Messe Baselworld die Attraktivität der Stadt. Die Umstände, Faktoren und Prognosen haben wir intensiv analysiert. Vor dem Hintergrund, dass der Mietvertag für die Boutique Ende Jahr ohnehin ausläuft, haben wir entschieden, den Vertrag nicht mehr zu verlängern. Wir fokussieren unsere Aktivitäten in der Schweiz auf unsere Boutiquen in Zürich, Genf, Luzern, Lugano und St. Moritz und entwickeln neue Konzepte, um das Unternehmen weiterhin gut für die Zukunft aufzustellen.“

Für unsere Basler Kundinnen und Kunden sind wir weiterhin da und stehen telefonisch, per E-Mail, Live Chat (tagtäglich von 9 – 22 Uhr) und im Virtual Salon zur Verfügung. Unsere E-Boutique lädt ein, Schmuck und Uhren online zu entdecken. Auf Wunsch liefern wir Bestellungen in der Schweiz persönlich aus. Mit dem Personal Delivery Service verbinden wir gleichzeitig Online und Offline. Allen Mitarbeitenden der Basler Boutique bieten wir eine Weiterbeschäftigung in unserem Unternehmen an.“

www.gübelin.com


Die Basler Bijouterie befand sich seit 1972 an der Freie Strasse im ⬈ Haus zum Steblin, einem der ältesten Gebäude der Stadt. Persönlich glaube ich, dass die Boutique Gübelin zu den schönsten und edelsten Geschäften in der ganzen Region Basel war und bedaure sehr, dass das Luzerner Familienunternehmen nicht mehr in Basel präsent ist. Ich werde Sie vermissen…

Uhrenexperte Patrik-Philipp Huber